Allgemeine Begriffe und Hinweise
Im Folgenden finden Sie einige allgemeine Begriffe die das Verständnis der Produktbeschreibungen im Zusammenhang mit Leinölfarben Naturölen und Holzteer aus Nadelholz erleichtern sollen.
Lackleinöl nach DIN
Lackleinöl ist ein speziell gereinigtes Rohleinöl das für Beschichtungsstoffe wie Anstriche vorgesehen ist und einer DIN Norm entspricht. Zusätzlich zu den Anforderungen an ein Rohleinöl darf es nur leicht trüb sein. Diese Trübung verschwindet bei etwa 45 Grad Celsius und tritt erst wieder unter 20 Grad Celsius auf. Da es sich um ein reines Naturöl handelt kann die Trübung bei etwa 10 Grad Celsius erneut einsetzen und nimmt mit sinkender Temperatur zu. Lackleinöl nach DIN ist hell in der Farbe und besitzt einen geringen unverseifbaren Anteil was für eine hohe Qualität spricht.
Leinölfirnis harzfrei und harzhaltig
Ein Leinölfirnis nach DIN ist grundsätzlich harzfrei auch wenn der Zusatz harzfrei oft besonders hervorgehoben wird. Harze können einem Leinölfirnis zusätzlich eingekocht werden. Dadurch wird der Firnis härter erhält einen leichten Glanz wird witterungsbeständiger und trocknet schneller. Solche Firnisse eignen sich weniger zum Grundieren sondern werden als Deckbeschichtung eingesetzt. Je nach Art und Menge des Harzes verhält sich das Produkt eher wie ein Firnis oder eher wie ein Lack. Wir stellen einen harzhaltigen Firnis unter der Bezeichnung Holzlack farblos her.
Harttrockenöl
Harttrockenöl ist keine genormte Bezeichnung. In der Praxis handelt es sich meist um gelöste Harze denen zusätzlich Öle beigemischt wurden. Die Eigenschaften solcher Produkte können stark variieren. Sie reichen von einem harzhaltigen Leinölfirnis bis hin zu einem stark verdünnten Klarlack etwa einem Bootslack. Ein harzhaltiger Leinölfirnis entspricht in seiner Wirkung und Anwendung einem Harttrockenöl.
Rohleinöl
Rohleinöl ist Leinöl wie es direkt aus der Ölmühle kommt. Abhängig von der Art der Pressung und den technologischen Bedingungen kann seine Zusammensetzung sehr unterschiedlich sein. Rohleinöl kann nicht ölige Bestandteile enthalten. Ein Rohleinöl ohne genaue Angaben sollte nicht für Anstricharbeiten verwendet werden, da es sonst zu Problemen wie Pilzbefall, ungleichmäßiger Trocknung oder dauerhaft klebrigen Oberflächen kommen kann..
Für Leinöl gilt derzeit die DIN EN ISO 150 aus dem Jahr 2007. Die früheren Normen DIN 55930 bis 55934 sind veraltet. DIN Normen sind nicht automatisch verbindlich. Sie müssen ausdrücklich zwischen Hersteller oder Lieferant und Käufer vereinbart werden damit sie rechtliche Gültigkeit erlangen.
Begriffe die in einer DIN Norm verwendet werden können im allgemeinen Sprachgebrauch auch andere Bedeutungen haben oder unterschiedliche Qualitäten beschreiben. Aus diesem Grund fordert die DIN dass nach der Produktbezeichnung immer die entsprechende Norm genannt wird. Nur in diesem Fall handelt es sich eindeutig um ein genormtes Produkt.
Ein Beispiel hierfür ist die Bezeichnung Leinölfirnis nach DIN EN ISO 150:2007. Diese Bezeichnung steht für ein klar definiertes normgerechtes Produkt. Wird hingegen nur der Begriff Leinölfirnis verwendet ohne Angabe einer Norm handelt es sich um eine Herstellerbezeichnung. In diesem Fall können sich Qualität Zusammensetzung und Eigenschaften je nach Hersteller deutlich unterscheiden.
Doppelt gekochter Leinölfirnis
Der Begriff doppelt gekochter Leinölfirnis ist eine veraltete Bezeichnung für Leinölfirnis. Ursprünglich meinte er ein zweimaliges Erhitzen des Leinöls wobei in einem ersten Schritt das Öl erwärmt und in einem zweiten Schritt Trocknungsstoffe zugegeben wurden. In der heutigen Herstellung erfolgen diese Schritte in der Regel in einem einzigen Prozess. Die Bezeichnung doppelt gekocht ist kein Qualitätsmerkmal. Die tatsächliche Qualität wird ausschließlich durch die Rezeptur die Rohstoffe und die Verarbeitung des jeweiligen Herstellers bestimmt.
Gekochtes Leinöl
Auch der Begriff gekochtes Leinöl ist veraltet und bezeichnet im Grunde einen Leinölfirnis. Historisch wurde Rohleinöl über mehrere Tage zusammen mit Bleiglätte also Bleioxid gekocht. Das Blei wirkte dabei als Trocknungsstoff und führte gleichzeitig zu einer teilweisen Verseifung des Öls. Aufgrund der gesundheitlichen Risiken wird dieses Verfahren heute nicht mehr angewendet.
Leinölfirnis
Leinölfirnis ist ein Anstrichmittel auf Leinölbasis dem Trocknungsstoffe zugesetzt werden damit es schneller aushärtet. Im einfachsten Fall handelt es sich um ein nicht genormtes Leinöl das nicht mehr als Lebensmittel verwendet werden darf und mit einem Trockenbeschleuniger versetzt wurde. Die Eigenschaften die Trocknungszeit und die Qualität eines solchen Firnisses hängen stark vom jeweiligen Hersteller ab.
Leinölfirnis nach DIN
Ein Leinölfirnis nach DIN wird aus Rohleinöl oder Lackleinöl nach DIN hergestellt. Unter Zugabe von Trocknungsstoffen wird das Öl erhitzt und häufig mit Sauerstoff behandelt. Umgangssprachlich spricht man von einem geblasenen Firnis. Ein Firnis nach DIN muss festgelegte Trocknungseigenschaften erfüllen.
Unser Lackleinöl Firnis entspricht bewusst nicht der DIN obwohl wir Lackleinöl nach DIN verwenden. Die Trocknungsstoffe werden bei uns kalt eingearbeitet. Dadurch bleibt der Firnis dünnflüssig verdickt nicht und verhält sich in den ersten Stunden wie rohes Leinöl mit sehr guter Eindringung in den Untergrund. Anschließend trocknet er wie ein Firnis nach DIN.
Rohleinöl nach DIN
Rohleinöl nach DIN ist ein klar definierter, genormter Leinöltyp. Es darf bei 65 Grad Celsius keinen Bodensatz bilden. Die Säurezahl, also ein Maß für die nicht trocknenden gesättigten Fettsäuren, liegt maximal bei 4. Der Phosphorsäuretest beträgt maximal 0,25, was den Anteil anderer nicht öliger Bestandteile angibt. In älteren DIN-Normen wurde dies als „unverseifbarer Anteil“ mit maximal 1,8 Prozent angegeben.
Modifizierte natürliche Öle (modifiziertes Leinöl)
Dieser Begriff beschreibt Anstriche, die auf Basis natürlicher Öle hergestellt wurden, aber zusätzliche Kunstharze enthalten. Aus dieser Bezeichnung lassen sich keine verlässlichen Aussagen über die Eigenschaften, Trocknung, Umweltverträglichkeit oder Qualität ableiten.
Rohes Leinöl
Der Begriff rohes Leinöl ist veraltet. Er bezeichnet Leinöl, das nur mechanisch gereinigt wurde, zum Beispiel durch Filtern, Schleudern oder Abstehen. In früheren DIN-Normen konnte ein Rohleinöl nach DIN auch als rohes Leinöl bezeichnet werden.
Historischer Ölanstrich auf Leinöl- und Nadelteerbasis
Labsal ist ein historischer, trockener Ölanstrich, der durch Verkochung von Kiefernholzteer, Leinöl-Standöl und Lackleinöl hergestellt wird. Durch diesen Herstellungsprozess entsteht ein besonders widerstandsfähiges und dauerhaftes Produkt, das den kalt vermischten Teer-Öl-Anstrichen in seiner Witterungsbeständigkeit deutlich überlegen ist. Labsal trocknet gelblich-braun, ist nicht deckend und lässt die natürliche Struktur des Untergrundes sichtbar. Aufgrund des hohen Leinölanteils dringt der Anstrich sehr tief in das Holz ein. Klassisch wurde Labsal für Blockhäuser sowie für die Gefache von Holz- und Lehmfachwerkhäusern eingesetzt. Der Anstrich verbindet die Vorzüge von Kiefernholzteer, Standöl und Lackleinöl in einem Produkt und eignet sich sowohl zur Imprägnierung von Holz, Textilien und Tauwerk als auch als Alleinanstrich im Außenbereich. Charakteristisch ist der ausgeprägte, rauchige Geruch.
Kiefernholzteer ist eines der ältesten bekannten Holzschutzmittel
Über Jahrhunderte schützte er Fachwerkhäuser und Blockhütten vor Feuchtigkeit und verlieh dem Holz die typische braun-schwarze Färbung. Es handelt sich um ein bräunliches, dickflüssiges Naturprodukt, das durch das Verkohlen harzhaltiger Bestandteile von Nadelbäumen gewonnen wird. Kiefernholzteer besitzt einen deutlichen, rauchigen Geruch und wird als Anstrichmittel zum Schutz von Holz und anderen saugfähigen Materialien vor Feuchtigkeit eingesetzt.
ist ein traditionelles, wasserabweisendes Holzschutzmittel
Wird Holz unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt entstehen neben Holzkohle und verschiedenen Gasen auch flüssiger Holzteer. Holzteer wird seit Jahrtausenden als natürliches Konservierungsmittel für Holz und Stoffe verwendet.
Für die dauerhafte Holzkonservierung eignet sich ausschließlich Holzteer aus Nadelholz da dieser nicht wasserlöslich ist. Die Schutzwirkung beruht auf mehreren Faktoren. Bestimmte Bestandteile wirken keimhemmend und beugen so Fäulnis vor. Gleichzeitig dringt ein fachgerecht hergestellter Nadelholzteer in die weichen Frühholzbereiche ein füllt diese aus und verhindert das Eindringen von flüssigem Wasser.
Durch diese Eigenschaften wird das Holz dauerhaft vor Feuchtigkeit und mikrobiellen Schäden geschützt. Ein bekanntes Anwendungsbeispiel ist der Einsatz von Holzteer bei hölzernen Bahnschwellen. In der Schweiz werden auch heute noch Holzschwellen verwendet die in einem Kesseldruckverfahren mit Holzteer imprägniert werden. Auf diese Weise lassen sich Nutzungszeiten von über 30 Jahren erreichen.
Citrusterpene sind ein reines Naturprodukt und Teil des natürlichen Stoffkreislaufs. Sie werden durch ein schonendes Verfahren aus den Schalen von Zitrusfrüchten gewonnen. Diese Stoffe entstehen ganz natürlich, wenn Zitrusfrüchte verrotten würden. Durch die Gewinnung werden die Terpene sinnvoll genutzt, anstatt ungenutzt in die Umwelt zu gelangen.
Das bedeutet für die Umwelt:
Der Einsatz von Citrusterpenen verursacht keinen zusätzlichen CO₂-Ausstoß und bringt keine neuen Kohlenwasserstoffe in die Atmosphäre. Es handelt sich um die Nutzung eines bereits vorhandenen, natürlichen Rohstoffs.
Balsamterpentinöl ist ein reines Naturprodukt und CO2-neutral. Es wird durch Dampfdestillation aus den harzigen Bestandteilen von Nadelbäumen gewonnen. Seit Jahrhunderten wird Balsamterpentin zum Verdünnen von Ölfarben und zum Lösen von Harzen verwendet. Es hat neben seiner Fähigkeit, Harze und Öle zu lösen, mehrere Vorteile: Im Gegensatz zu auf Erdöl basierenden Lösungsmitteln verdunstet Balsamterpentin langsamer. Dadurch hat der Anstrich ausreichend Zeit, ins Holz einzudringen. Wenn sich auf Ölfarbe oder Firnis bereits eine Haut gebildet hat, werden erdölbasierende Verdünner oft in dieser Schicht eingeschlossen, was die Durchtrocknung verzögert. Balsamterpentin hingegen ist leicht biologisch abbaubar, zersetzt sich unter Lichteinfluss und setzt dabei Sauerstoff frei, der die Durchhärtung unterstützt. Dadurch wird die Trocknung beschleunigt. Da Balsamterpentin Teil des natürlichen Kreislaufs ist, setzt es nur so viel CO2 frei, wie zuvor im Holz gebunden war. Wie bei allen Lösungsmitteln gilt: In höheren Konzentrationen kann es gesundheitsschädlich sein. Es löst Fette von der Haut ebenso wie Öl und Harz im Anstrich. Daher sollte bei der Arbeit mit Balsamterpentin immer auf den richtigen Schutz geachtet werden.

Terpentinöldestillation in der Steiermark, 1910
Es ist ein sehr flüchtiges, öl- und harzlösendes Mittel.

Zur Gewinnung der Ausscheidungen wird die Rinde senkrecht eingeschnitten, sodass die Masse in Vertiefungen oder Gefäßen aufgefangen werden kann.

Vor allem aus Waldkiefern, seltener aus Weiß- und Rottanne wird der Terpentin genannte Balsam gewonnen, aus dem Terpentinöl destilliert wird
Lösungsmittel werden verwendet, um feste Stoffe wie Harze oder Wachse in eine flüssige Form zu überführen. Nur so kann ein Anstrich aufgetragen werden. Nach dem Auftragen verdunsten diese Stoffe oder werden chemisch zersetzt. Verdünnungsmittel verringern die Viskosität einer Flüssigkeit, das heißt sie machen sie flüssiger und leichter verarbeitbar. Auch diese verdunsten oder werden zersetzt. Sie helfen dabei, den Verlauf der Farbe zu verbessern und die Eindringtiefe in den Untergrund zu erhöhen. Der massenhafte Einsatz von Lösungsmitteln trägt zur CO2-Belastung der Atmosphäre bei. Aus diesem Grund ist der Einsatz vieler Stoffe in der ChemVOCFarbV begrenzt. Dies betrifft vor allem auf Erdöl basierende Stoffe wie Testbenzin, Terpentinersatz oder isoaliphatische Lösungsmittel. Es gibt jedoch auch natürliche Lösungsmittel wie Balsamterpentin oder Citrusterpene. Diese setzen beim Einsatz in Farben nur so viel CO2 frei, wie sie zuvor gebunden haben. Sie befinden sich ohnehin im natürlichen Kreislauf, etwa beim Kompostieren oder Verbrennen. Unabhängig von der Herkunft ist das Einatmen höherer Konzentrationen von Lösungsmitteln gesundheitlich bedenklich. Natürliche Lösungsmittel haben oft einen charakteristischen Geruch, der warnt. Moderne isoaliphatische Lösungsmittel sind hingegen geruchslos und zersetzen sich nur langsam. Ihre genaue Zusammensetzung und Wirkung ist oft wenig bekannt.
Sikkative sind Stoffe, die in kleinsten Mengen die Trocknung eines oxidativ trocknenden Anstriches beschleunigen. Sie wirken wie ein Katalysator. Sikkative bestehen aus Salzen von Metallen wie Kobalt, Mangan, Zirkonium, Kalzium, Zink oder Eisen. Da die Trocknung natürlicher Öle sehr komplex ist, werden bei hochwertigen Produkten meist mehrere Sikkative kombiniert. Der Anteil des reinen Metallsalzes liegt dabei weit unter 0,1 Prozent der Gesamtmasse. Moderne Sikkative setzen kein biologisch verfügbares Metall frei, die Abbauprodukte sind in der Regel Spurenelemente in der natürlichen Umwelt.
Additive sind Stoffe, die in kleinsten Mengen eingesetzt werden, um das Produkt oder den Herstellungsprozess zu unterstützen. In unseren farbigen Produkten verwenden wir ein Dispergier-Additiv. Dieses sorgt dafür, dass die Pigmente vollständig mit dem Leinöl benetzt werden. Ohne dieses Additiv würden sich die Pigmente verklumpen, es könnten Luftzwischenräume entstehen und die Farbe würde ungleichmäßig wirken.

Chemische Reaktion
Der „Trocknungsprozess“ von Ölfarbe ist kein Verdunsten, sondern eine chemische Reaktion. Dabei oxidieren die trocknenden Öle, polymerisieren und vernetzen sich, wodurch ihre molare Masse und die Viskosität steigen. Zunächst nimmt das Volumen zu, später schrumpft es wieder, was zu Runzel- und Rissbildungen führen kann. Leinöl wandelt sich dabei beispielsweise zu Linoxin.
Sikkative wirken als Katalysatoren und beschleunigen diese Reaktionen. Sie fördern den Abbau der während der Härtung entstehenden Peroxide, wobei Radikale entstehen, die die Vernetzung antreiben. Eine zu schnelle Hautbildung kann durch Hautverhinderungsmittel wie Butanonoxim vermieden werden, was Risse reduziert und die Lagerstabilität verbessert.

Leinölfarbe und Standölfarbe
Echte Leinölfarben bestehen ausschließlich aus Pigmenten Füllstoffen und Leinöl gegebenenfalls ergänzt durch Trocknungsstoffe oder Additive. Das Leinöl bindet die Pigmente ähnlich wie Zement im Beton die Zuschläge bindet. Damit diese Bindung funktioniert muss der Untergrund gut grundiert sein da sonst das Öl in den Untergrund einzieht und die Pigmente ungebunden zurückbleiben.
Leinölfarben werden mit einem leichten Überschuss an Leinöl verarbeitet damit sich die Farbschicht gut mit dem Untergrund verbinden kann. Eine zusätzliche Verdünnung mit Lösemitteln sollte nicht erfolgen. Bei stark saugenden Untergründen wird stattdessen mit Leinölfirnis verdünnt.
Leinölfarben sind vergleichsweise weich und daher nur eingeschränkt für stark mechanisch beanspruchte Flächen wie Fußböden oder Griffleisten geeignet. Durch ihre Elastizität und Diffusionsoffenheit eignen sie sich jedoch hervorragend für Holz und mit geeigneten Rezepturen auch für Metall.
Pigmente und Füllstoffe
Pigmente sind farbgebende Teilchen, die sich nicht auflösen. Sie sorgen dafür, dass ein Anstrich die gewünschte Farbe erhält. Füllstoffe sind ebenfalls nicht löslich, tragen jedoch nicht zur Farbe bei, sondern verändern die Eigenschaften des Anstrichs.
Die Größe eines Pigment- oder Füllstoffkörnchens liegt nur bei wenigen tausendstel Millimetern. Füllstoffe können die Oberfläche eines Anstrichs verbessern: Talkum bewirkt zum Beispiel, dass der Anstrich schneller matt wird, gleichzeitig wird er durch die plättchenartige Struktur des Talkums wasserdichter, geschmeidiger und rissfester.
Einige Füllstoffe haben noch weitere spezielle Funktionen: In vielen blauen Farben macht „Blank fix“ den Anstrich kostengünstiger. Eisenglimmer in Ölfarben sorgt für einen besonders guten Rostschutz, wie bei der Schuppenpanzerfarbe. Aussagen wie „enthält keine Füllstoffe“ sind daher kein Qualitätsmerkmal.
RAL Farben und Farbsysteme wie NCS
Farbsysteme wie RAL oder NCS definieren eine große Palette von Farben. In der Theorie nimmt der Mensch zwei Objekte mit derselben Farbnummer als gleich wahr. Auf Leinölfarben ist eine genaue Farbangabe jedoch nur schwer möglich. Leinölfarben vergilben mit der Zeit. Die Veränderung hängt vom Alter und von der Menge an Licht ab, die auf die Oberfläche fällt.
Ein Anstrich auf der Nordseite eines Gebäudes wird zum Beispiel dunkler als auf der Südseite. Wird die Ausrichtung getauscht, hellt sich der nördliche Anstrich wieder auf. Außerdem verändert sich der Farbeindruck durch die Quellfähigkeit des Holzes: Nach Regen oder am Morgen erscheint die Farbe dunkler, an einem sonnigen Abend leuchtender.
Aufgrund dieser natürlichen Veränderungen versenden wir keine Musteraufstriche, da sie immer nur einen Moment wiedergeben und nicht die spätere Optik zuverlässig darstellen.
chinesisches Holzöl, China wood oil
Tungöl wird aus den Nüssen des Holzölbaums (Vernicia fordii) gewonnen, vor allem in Asien, den USA und Südamerika. Historisch wurde es nur als Holzöl oder chinesisches Holzöl bezeichnet. Unter dem Namen Holzöl ist es in der CAS-Datenbank registriert.
Tungöl polymerisiert und oxidiert ähnlich wie Leinöl. Es trocknet in der Sonne schneller, in kühlen und dunkleren Räumen langsamer. Es bildet eine harzartige, relativ harte und matte Oberfläche. Bei dicken Schichten kann die Oberfläche ein weißes Eisblumenmuster entwickeln.
Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn das Öl vorpolymerisiert wird oder in Kombination mit Leinöl verwendet wird. Wir stellen ein solches Öl unter der historischen Bezeichnung „Tungöllack“ her. Die Bezeichnung „Lack“ ist chemisch nicht korrekt, da kein Harz enthalten ist.
Die großflächige Anwendung von Tungöl erfordert Erfahrung. Bei richtiger Verarbeitung ist es jedoch ein hervorragendes Öl für Holzoberflächen.
Wasserlacke
Wasserlacke unterscheiden sich von klassischen Lacken dadurch, dass als Verdünnung Wasser statt Lösemittel verwendet wird. Prinzipiell lassen sich Harze und Öle nicht in Wasser lösen. Um dies zu ermöglichen, werden spezielle Additive eingesetzt.
Ein weiteres Problem ist, dass wasserhaltige Lacke in der Dose schnell schimmeln würden. Auch hier kommen chemische Zusatzstoffe zum Einsatz, die dies verhindern.
Ein Vorteil aus Sicht einiger Hersteller ist, dass das Gefährdungspotenzial noch nicht vollständig bekannt ist und dadurch manche Warnhinweise entfallen. Dennoch lohnt es sich, immer die Herstellerinformationen, Etiketten und Sicherheitsdatenblätter zu prüfen.


natürlicher Holzschutz mit Lackoberfläche
Tungöllack, oft auch als Tungöl-Firnis bezeichnet, ist eine hochwertige Mischung aus Tungöl (chinesischem Holzöl) und einem natürlichen Lack, meist auf Leinölbasis. Er verbindet die tief eindringenden Eigenschaften eines Öls mit der schützenden und strapazierfähigen Oberfläche eines Lackes und eignet sich dadurch besonders gut für langlebige Holzoberflächen.
Tungöllack ist sehr haltbar und wasserbeständig und kann sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt werden. Im Vergleich zu reinem Leinölfirnis trocknet er schneller und härtet stärker aus. Dabei entsteht eine harzartige, matte und robuste Oberfläche, während die natürliche Holzfarbe weitgehend erhalten bleibt. Besonders für Harthölzer ist Tungöllack daher sehr gut geeignet.
Bei der Verarbeitung sollte Tungöllack stets dünn aufgetragen werden, zum Beispiel mit einem Lappen, Schwamm oder Pinsel. Überschüssiges Material sollte vor dem Antrocknen abgenommen oder sorgfältig verrieben werden, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erzielen. Der Lack eignet sich sowohl zur Imprägnierung von Harthölzern als auch für strapazierfähige Oberflächenanstriche und zur Überarbeitung bestehender Leinölanstriche.
Natürlich wie Öl, widerstandsfähig wie Lack – für einen langlebigen und bewährten Holzschutz.




Dispergierung
In farbigen Anstrichen müssen die Pigmente vollständig mit dem Trägerstoff, z. B. Leinöl, benetzt sein. Andernfalls schwimmen sie auf der Oberfläche oder verklumpen, sinken zu Boden und der Anstrich wird nicht dicht. Einfaches Rühren reicht dafür nicht aus.
Bei kleinen Mengen kann ein Pigment-Leinöl-Teig hergestellt und auf einem Blech oder einer Glasplatte mit einem Spachtel abgerieben werden. Industriell werden dafür Dreiwalzenstühle oder Stator-Rotorsysteme eingesetzt:
Dreiwalzenstuhl: Der Teig wird zwischen zwei Walzen mit nur wenigen tausendstel Millimeter Abstand hindurchgeführt. Vorteil: Pigmentklumpen (Überkörner) werden zerkleinert, die Farbe erhält hohe Konsistenz. Nachteil: Geringe Produktivität, hoher Energieeinsatz, hohe technische Anforderungen, daher teure Farbe.
Stator-Rotor-System: Die flüssige Pigment-Träger-Mischung wird stark beschleunigt und auf den Stator geschleudert. Vorteil: Hohe Produktivität, geringer Energieeinsatz, preiswerte Farbe. Nachteil: Überkörner werden oft nicht zerstört, die Farbe muss fließfähig sein.
Die richtige Dispergierung ist entscheidend für die Haltbarkeit, Dichtigkeit und gleichmäßige Farbwirkung eines Anstrichs.
Trocknung von Öl- und Lackanstrichen
Ein Anstrich kann auf zwei Arten fest werden: physikalisch oder chemisch. Bei der physikalischen Trocknung verdunstet das Lösungsmittel. Bei der chemischen Trocknung verändern sich die Bestandteile des Anstrichs selbst, zum Beispiel durch Reaktion mit dem Sauerstoff aus der Luft. Dieser Vorgang wird allgemein als Trocknung bezeichnet.
Leinölfarben und Leinölfirnisse trocknen nicht durch Verdunsten, sondern chemisch durch Oxidation. Das bedeutet, sie benötigen Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Dieser Prozess wird durch Licht und höhere Temperaturen beschleunigt. Dabei reagieren die Leinölmoleküle mit dem Sauerstoff, verbinden sich miteinander und vernetzen sich zu neuen Molekülstrukturen. Man spricht von Polymerisation. An der Oberfläche bildet sich zunächst eine feste Haut. Diese kann die weitere Durchtrocknung verlangsamen und bei sehr dicken Aufträgen oder starken Durchtränkungen sogar teilweise verhindern.
Unter genormten Bedingungen gilt ein Leinölfirnis nach 24 Stunden als getrocknet. Die entsprechende DIN-Norm beschreibt einen Prüfversuch, bei dem Leinölfirnis auf eine Glasplatte aufgetragen und senkrecht aufgestellt wird. Nach 24 Stunden bei 15 bis 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte werden feine Glaskugeln auf die Oberfläche gestreut. Diese müssen vollständig ablaufen, um den Anstrich als getrocknet zu bewerten.
In der praktischen Anwendung auf Holz sind die Bedingungen jedoch ganz andere. Holz nimmt das Öl deutlich stärker auf als Glas. Daher kann man im Alltag meist nur davon ausgehen, dass ein Leinölfirnis nach etwa 24 Stunden regenfest ist. Im Inneren des Holzes kann das Öl bei hohen Durchtränkungen noch über Monate oder sogar Jahre flüssig bleiben, auch wenn die Oberfläche bereits fest erscheint.
In solchen Fällen kann es bei Wärmeeinwirkung dazu kommen, dass der Anstrich „schwitzt“, sich klebrig anfühlt oder wieder etwas Öl an die Oberfläche tritt. Das ist ein normaler Vorgang und ein Zeichen dafür, dass noch nicht vollständig durchgetrocknetes Leinöl aus dem Holzinneren nach außen diffundiert. Dieses Verhalten ist zu unterscheiden von dauerhaft klebrigen Oberflächen, die durch minderwertige oder unzureichend gereinigte Leinöle entstehen können.
Alkydharz (Leinölester)
Alkydharze werden aus fast jedem natürlichen Öl oder Fett hergestellt. Werden sie maßvoll eingesetzt, können sie einer Leinölfarbe oder einem Lack beständigere Eigenschaften verleihen und auch auf schwierigen Untergründen verwendet werden.
Man unterscheidet zwischen langöligen, mittelöligen und kurzöligen Alkyden:
Langölige Alkydharze verhalten sich ähnlich wie ein klassischer Leinölanstrich.
Kurzölige Alkydharze sind sehr hart und spröde.
In unseren Holzlacken verwenden wir ein langöliges Leinölalkyd. Dadurch trocknet der Lack schneller, was besonders bei unserem wechselhaften Wetter von Vorteil ist.









